Forschungsstruktur

Pädiatrische Hämatologie und Onkologie

Krebserkrankungen im Kindesalter stellen weiterhin eine bedeutende globale gesundheitliche Herausforderung dar und gehören zu den häufigsten krankheitsbedingten Todesursachen bei Kindern. Die akute lymphoblastische Leukämie (ALL) ist die häufigste pädiatrische Malignität und macht etwa 25 % aller Fälle aus. Sie entsteht aus malign transformierten lymphatischen Vorläuferzellen und wird in B-Zell-Vorläufer-ALL (B-ALL) und T-Zell-ALL (T-ALL) unterteilt, die sich in Biologie, klinischem Verlauf und Ansprechen auf Therapien unterscheiden.
Die Überlebensraten haben sich durch risikoadaptierte Kombinationschemotherapien deutlich verbessert, sodass die Heilungsraten in vielen Patientengruppen bei über 80 % liegen. Die Behandlung ist jedoch intensiv und mit erheblichen Toxizitäten verbunden. Hochrisiko- oder rezidivierte Patientinnen und Patienten benötigen häufig eine hämatopoetische Stammzelltransplantation, die zusätzliche Risiken mit sich bringt.
In den letzten Jahren hat sich die Immuntherapie als vielversprechender Ansatz etabliert, einschließlich antikörperbasierter Therapien und CAR-T-Zell-Therapien. Diese Strategien zielen auf leukämiespezifische Antigene ab und aktivieren das Immunsystem, wobei insbesondere bei rezidivierten oder refraktären Erkrankungen eine hohe Wirksamkeit gezeigt wurde. Dennoch bleiben Therapieresistenz und Rückfälle zentrale Herausforderungen und unterstreichen den Bedarf an weiterer Forschung.

Forschungsprofil Dresden

Die translationale Forschung in der pädiatrischen Hämatologie und Onkologie findet in der Arbeitsgruppe „Pädiatrische Hämatologie und Experimentelle Onkologie“ (PHEO) am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden sowie am NCT/UCC Dresden statt. Die Gruppe entwickelt neue Therapiestrategien für akute Leukämien mit besonderem Fokus auf ALL. Im Zentrum stehen moderne immuntherapeutische Ansätze, die das Immunsystem gezielt zur Eliminierung maligner Zellen einsetzen.
Ein zentrales Ziel ist die Optimierung dieser Therapien hinsichtlich Wirksamkeit und Verträglichkeit. Wir untersuchen Ursachen für Therapieversagen und Rückfälle und entwickeln Strategien zur frühzeitigen Erkennung und Überwindung von Resistenzen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Kombinationstherapien sowie der Identifikation neuer Zielstrukturen für individualisierte Behandlungsansätze, um Heilungsraten zu verbessern und Nebenwirkungen zu reduzieren.
Die Arbeitsgruppe ist Teil des Forschungsverbunds CATCH-ALL (KFO5010) und arbeitet eng mit der AIEOP-BFM ALL-Studiengruppe zusammen, um wissenschaftliche Erkenntnisse effizient in die klinische Anwendung zu überführen.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Webseite.

Kombination therapeutischer Antikörper

Unsere Arbeit konzentriert sich auf die Entwicklung neuartiger immuntherapeutischer Ansätze und die Verbesserung bestehender Behandlungsstrategien bei akuter lymphatischer Leukämie. Ein zentrales Ergebnis unserer Studien ist, dass die Kombination von Antikörpern, die leukämiespezifische Antigene (z. B. CD19 bei BCP-ALL oder CD38 bei T-ALL) erkennen, mit einer Blockade von Immun-Checkpoints (CD47-Inhibition) deutlich wirksamer ist als Monotherapien. Dieser kombinatorische Ansatz steigert die von Makrophagen vermittelte Eliminierung von Leukämiezellen und verbessert die Wirksamkeit über verschiedene präklinische Modelle hinweg, einschließlich patientenabgeleiteter Xenotransplantate und therapieresistenter Erkrankungen. In B- und T-ALL reduziert die Kombinationstherapie die Leukämielast effizienter und verlängert das Überleben im Vergleich zu Monotherapien, wodurch das Potenzial zur Überwindung von Resistenzmechanismen und Antigenentkommen unterstrichen wird.

Lenk et. Blood 2024; Schewe et al. Hemasphere 2024; Müller et al. Blood 2022

Graue, krallenartige Immunzelle umschließt eine große weiße Zelle vor einem Hintergrund mit roten Blutkörperchen
Eine Immunzelle greift nach Antikörperbindung eine Leukämiezelle an

Erforschung neuer Targets für individualisierte Therapien

Neben der Immuntherapie untersucht unsere Gruppe neue Zielstrukturen für individualisierte Therapieansätze bei akuter Leukämie und anderen Krebsarten. Mithilfe moderner funktioneller Genomik- und Multi-Omics-Ansätze identifizieren wir Gene und Signalwege, die Therapie-Resistenzen antreiben oder Schwachstellen in malignen Zellen darstellen. In der akuten myeloischen Leukämie (AML) konnten wir beispielsweise Targets aufdecken, die das Verhalten ruhender, therapieresistenter Zellpopulationen regulieren, und so neue Ansätze zur Verbesserung der Standardchemotherapie aufzeigen. Durch die Integration groß angelegter molekularer und genomischer Daten aus patientenabgeleiteten Modellen lassen sich krankheitsspezifische Vulnerabilitäten vorhersagen und neuartige, medikamentös nutzbare Targets priorisieren. Diese Strategien unterstützen die Entwicklung personalisierter Therapiekonzepte, zugeschnitten auf die einzigartigen molekularen Eigenschaften jeder Patientin und jedes Patienten, mit dem Ziel, Behandlungsergebnisse zu verbessern und therapiebedingte Toxizität zu reduzieren.

Rahimian et al. Drug Resist Updat. 2025; Wurm et al. Cell Rep Med. 2023